Kiefer

Die Umgestaltung einer Haken-Kiefer (Pinus uncinata):

 
das „Rohmaterial“:
-  Ast links wirkt optisch deplatziert („böse“ Seite)
-  Ast rechts unten gibt dem Baum Charakter, verdeckt aber den schönen Negativraum
-  Die Krone wirkt ein wenig assortiert, zu flach und etwas zu gross
-  Der Wurzelansatz links ist zu weit in der Luft
 
Die Studie:
Version 1: beide Äste behalten
Version 2: nur den linken Ast entfernen
Version 3: nur den rechten unteren Ast entfernen
Version 4: beide Problem-Äste entfernen
 
Das Projekt:
-  Version 1 wird bevorzugt
-  der linke Ast wird um 90° nach hinten gebogen und für die Tiefe verwendet (da fehlt alles = Loch)
-  der rechte untere Ast (Charakter-Ast) wird weiter nach rechts gedrückt sowie etwas nach rechts gedreht
-  alle anderen Äste an der Peripherie werden nach unten gezogen um die Krone schlanker und runder zu machen
-  die Top-Äste werden ebenfalls nach unten gezogen um die Krone kompakter zu machen
-  beim nächsten Umtopfen soll der Baum etwas nach links gekippt werden, um die Wurzeln links zu verankern
 
Front vorher links vorher hinten vorher rechts vorher

Front nachher

links nachher

hinten nachher

rechts nachher

 
Die Ausführung:
- alle Bereiche, an denen gearbeitet wird, habe ich mit einem „Druckverband“ aus feuchter Gaze und Vulkanisierband geschützt
- dann alles mit z.T. 2mm-Kupfer und 4mm-Aludraht gestützt
- der linke Ast wurde mit 4 Stk. 4mm-Aludraht geschient und konnte wie gewünscht mit 2mm-Kupfer-Power-Spanndrähten gezogen und um 90° nach hinten gebogen und mit einem einfachen 1mm-Kupfer-Spanndraht etwas nach unten gezogen werden – jetzt hat die Krone Tiefe
- der rechte untere Ast konnte wie gewünscht nach rechts gedrückt aber leider nicht wie gewünscht nach rechts gedreht werden, da der Ast oben auf seiner gesamten Länge (s. dunkler Bereich) ein altes verborgenes Totholz-Shari hat! Er wurde dank einem nächtlichen Geistesblitz am nächsten Tag gestreift (ausgezogen) und zum optischen Gegenpol des Tenjin gemacht – so konnte er erhalten bleiben und wird vom einstigen Problem nun zum Blickfang und einem wichtigen Teil der Gesamtkomposition…
- alle anderen Äste an der Peripherie konnten wie gewünscht mit einfachen 1mm-Kupfer-Spanndrähten nach unten gezogen werden
- auch die Top-Äste konnten ebenso wie gewünscht nach unten gezogen werden – jetzt ist die Krone kompakter geworden
 
 
die Zukunft:
- die Spanndrähte und die Schiene am linken Ast werden nächstes Jahr entfernt
- optional: beim nächsten Umtopfen kann der Baum etwas nach links gekippt und die Wurzeln links besser im Erdreich integriert werden
- (evtl. müssen dann die Aststellungen an der Peripherie nochmals etwas nachkorrigiert werden…)

Dauer der Umwandlung inkl. vorgängiger Studie, verzweifeltem Grillieren und nächtlichem Kopfzerbrechen: ca. 3 Tage.

 
 
Bonsaifreunde Dreiländereck